wenn Philosophie Bild wird

Reichenau

Reichenau – kann dies ein philosophisches Thema sein? Gewiss nicht in dem Sinne wie die vorstehenden. Wenn ich es dennoch ans Ende dieser Reihe stelle, dann zunächst mit einer subjektiven Rechtfertigung: Hier lebend und arbeitend ziehe ich Inspiration aus dem Ort. Aber es gibt auch einen objektiven Grund: Auf der Reichenau entstand unter Abt Waldo (786-806) eine der ersten Klosterschulen des Karolingerreichs.

Diese Klosterschulen waren – lange bevor es die Universitäten gab – die Bildungszentren, in denen das antike Denken tradiert und für das Abendland fruchtbar gemacht wurde. Hierdurch wurde unser europäisches Denken bis in die Gegenwart geprägt – gleichviel, welche philosophische und religiöse Ausrichtung wir heute haben.

Ein exemplarisches Beispiel für diese Kulturvermittlung ist der Reichenauer Abt Walahfrid Strabo (ca. 808-849) u. a. mit seinem Buch Liber de Cultura Hortorum (Buch über den Gartenbau). Das schmale Werk steht in der Tradition der altrömischen Wertschätzung des Landlebens bzw. des Landbaus und verbindet antik-mythologische, christliche, ästhetische und medizinische Aspekte miteinander.

Als Kalligraph widme ich mich insbesondere der Pflege der mittelalterlichen Reichenauer Schriften und beziehe aus dieser Praxis neue Impulse für mein freies bildkünstlerisches Schaffen.

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Augia Felix
Augia Felix (Blattgold und Tusche, 24 x 18 cm)
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Walahfrid Strabo: Die Rose
ROSA
Lutea purpurei reparat crementa quotannis
Ubertim floris, tantum qui protiunus omnes
Herbarum vicisse comas virtute et odore
Dicitur, ut merito florum flos esse feratur.

ROSE
Statt anderem schenkt uns die Rose jährlich
ihren purpurnen Flor, von dem man sagt, er habe schon anfangs
die Blüten aller Pflanzen an Kraft und Duft übertroffen,
sodass sie zu Recht als die Blume der Blumen gilt.
Walahfrid Strabo: Die Rose (Tusche, Aquarell und Blattgold, 51 x 41 cm)
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Walahfrid Strabo: Fenchel
FOENICULUM
Nec maratri taceatur honor, quod stipite forti
tollitur, et late ramorum brachia tendit,
Dulce satis gustu dulcem satis addit odorem.
Hoc oculis, quos umbra premit, prodesse locuntur,

FENCHEL Auch sei der Ruhm des Fenchels nicht verschwiegen, der sich mit starkem Stamm erhebt
und die Arme der Zweige weit ausbreitet,
Recht süßem Geschmack fügt er recht süßen Geruch hinzu.
Augen, die von Schatten verdunkelt sind, soll er nützen.
Walahfrid Strabo: Fenchel (Aquarell und Acrylfarbe, 41 x 31 cm)
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Walahfrid Strabo:  Die Melone
Walahfrid Strabo: Die Melone (Aquarell und Acrylfarbe, 40 x 30 cm)
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Walahfrid Strabo: Augia Fausta
Rhenus ab Ausoniis quo ducitur Alpibus, aequor / Miscet in occiduis diffusus partibus ingens / Illius in medio suspenditur insula fluctu / Augia nomen habens. Iacet hanc Germania circum.
Wo der Rhein von den italischen Alpen herabfließt, bringt er ein Meer hervor, das sich weit nach Westen ausbreitet. Inmitten dieses Meeres erhebt sich eine Insel, die Augia heißt; um diese herum befindet sich Germanien.
Aus: Visio Wettini 1-4, V.22-25 des Reichenauer Mönchs und Abts Walahfrid Strabo (808/809-849)
Walahfrid Strabo: Augia Fausta (Aquarell und Tusche, 30 x 24 cm)
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Ermenrich von Ellwangen: Reichenau
Reichenau, grünendes Eiland, wie bist du vor andern gesegnet, …
Reich an des Obstbaums Frucht und schwellender Traube des Weinbergs …
übers. von Victor von Scheffel in Ekkehard
Ermenrich von Ellwangen: Reichenau (Aquarell und Tusche, 24 x 18 cm)
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Dies ist der Tag, den der Herr geschaffen hat (Ps 118,24)
Dies ist der Tag, den der Herr geschaffen hat (Ps 118,24) (Tinte, Tusche und Blattgold auf Aquarellpapier, 15 x 10 cm)
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