Philosophie mit Feder und Pinsel – Gerschoms Kunstsite

Projekt: Ein Feld in Anatot

Auf dieser Seite stelle ich Projekte vor, die eine größere Zahl von thematisch zusammenhängenden Arbeiten umfassen und an denen ich längere Zeit arbeite.
Ich fange an mit dem Projekt Ein Feld in Anatot, das mit einer Einzelarbeit begann, die ich als Kalendertitel im vergangenen Jahr ausgeführt habe.

„Kauf dir mein Feld in Anatot!“ - Dieses Angebot erhält der Prophet Jeremias in einer Situation, in der die Feinde kurz davor stehen, die Stadt und das Umland und damit auch das Feld in Anatot zu erobern. Scheinbar gegen jede Vernunft geht Jeremias auf das Angebot ein und vollzieht in aller Form den Kaufakt. Denn sein Vertrauen in den Ewigen als Herr der Geschichte ist unerschütterlich: Dieser wird den Sieg der Feinde wieder rückgängig machen und er, Jeremias, wird sein Feld bestellen können.
Von diesem Text ausgehend hat Yosef Hayim Yerushalmi (Ein Feld in Anatot; Wagenbach) die verschiedenen Dimensionen von Hoffnung im Judentum entfaltet und auch ihr Gegenstück, Verzweiflung und Gottferne, thematisiert.

Meine visuelle Interpretation des Prophetentextes will diese Hoffnung, die auch die schlimmsten Katastrophen und Zustände von Verzweiflung durchsteht, deutlich machen.

Mit einem zweiten Ansatz will ich die Geschichtshoffnung, die hier thematisiert wird, sinnlich erfahrbar machen, nämlich durch die Niederschrift des gesamten Textes Jer 32, 6-15 in verschiedenen Schriften und Sprachen, die bestimmte Epochen repräsentieren.

Für eine vergrößerte Ansicht klicken Sie bitte auf die Bilder.

Jer 32,6-15  lateinisch (Bildentwurf) Ein Feld in Anatot (Jer 32,7) ÖL auf Lw, 140x120 cm Jer 32,6-15  althebräisch 8. Jh. (Bildentwurf) Jer 32,6-15  aschkenasisch 12. Jh. (Bildentwurf)

Der hebräische Originaltext wird in diversen Schriften, die für die Geschichte Israels stehen, wiedergegeben, beginnend mit der althebräischen Schrift (ca. 800 v.d.Z.), über die aramäische und mittelalterliche jüdische bis zum modernen Ivrit. Die Übersetzungen, griechisch (Septuaginta), latein (Vulgata) und in moderne Sprachen werden in spätantiken, mittelalterlichen und neuzeitlichen Alphabeten geschrieben.

Das Ausstellungskonzept sieht die großformatige Fassung (140 x 120 cm) des Halbverses Kauf dir mein Feld in Anatot! im Zentrum vor, flankiert von den ebenfalls in großformatige Ölbilder umgesetzten Textblättern. Dabei sollen die Übersetzungen mit den rechtsläufigen Alphabeten auf der linken, die hebräischen linksläufigen Texte auf der rechten Seite angebracht werden.

In der nächsten Zeit werden die weiteren Textentwürfe von Jer 32,6-15 folgen, um ein gemeinsames Format für deren großformatige Darstellung zu finden. Wenn dieses definiert ist, beginnt die Umsetzung in Ölbilder.

Über Anregungen und Kritik freue ich mich.

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