wenn Philosophie Bild wird

Zeit

„Was ist also die Zeit? Wenn mich niemand darüber fragt, so weiß ich es; wenn ich es aber jemandem auf seine Frage erklären möchte, so weiß ich es nicht.“ In dieser Feststellung von Augustinus ist eine Erfahrung ausgesprochen, die auch wir modernen Menschen ständig machen: Wir leben in Zeithorizonten, in Zeitabschnitten, die oft an einer „deadline“ enden, im Wechsel von Arbeits- und Freizeit. Der Zeitdruck verursacht Stress, im Spiel vergessen wir die Zeit, wenn wir ziellos sind, entsteht Langeweile, in Depressionen wird die Zeit „bleiern“. Was also ist die Zeit? Auf diese Frage haben die Philosophen keine endgültige Antwort gefunden, aber sie haben zahlreiche Gedanken entwickelt, die uns helfen, unseren persönlichen Umgang mit der Zeit zu bestimmen.

Für eine vergrößerte Ansicht klicken Sie bitte auf die Bilder.

Heraklit: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen
Heraklit von Ephesos (ca. 520 v.Chr. – ca. 460 v.Chr.) war ein Philosoph, der der Schule der Vorsokratiker zugeordnet wird.
Von seinen Texten sind nur wenige überliefert, das meiste von ihm wissen wir durch andere Autoren. Ein Schwerpunkt seines Denken waren Fragen von Zeit bzw. Kommen, Werden und Vergehen.
Heraklit: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen (Öl auf Leinwand, 70 x 50 cm)
-
Die gefrornen Tränen Zarathustras
In Friedrich Nietzsche's Werk Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen tritt Zarathustra auf mit der Mission, die Menschheit auf eine höhere Stufe zu führen. Seine Mission gipfelt in einem Rundgesang, der mit den Zeilen "... Doch alle Lust will Ewigkeit – will tiefe, tiefe Ewigkeit!« endet. Zarathustra muss erkennen, dass seine Mission gescheitert ist. „Aus seinen Augen tropften Tränen herab ...“ und dann wendet sich von den Menschen ab.
Der Bildtitel stellt die Beziehung zu einer anderen literarischen Ewigkeit her: die des Todes aus verschmähter Liebe, um die Schuberts Liederzyklus Winterreise kreist. Hier wird die Spannung zwischen Liebe und Todessehnsucht im Bild der ‚gefrornen Tränen, die aus der glühend heißen Brust dringen,‘ gefasst.
Die gefrornen Tränen Zarathustras (Acryl und Blattgold auf Leinwand, 70 x 50 cm)
-
Die Freuden der Erlebnisgesellschaft
Der Soziologe Gerhard Schulze hat in seinem 1992 erschienen Buch über die Erlebnisgesellschaft die Glückssuche des modernen Menschen durch Erlebnisse, die von der Kulturindustrie vermittelt werden, untersucht.
Die Freuden der Erlebnisgesellschaft (Aquarell auf Büttenpapier, 41 x 30 cm)
-
Bergson – temps espace, temps vécu
Der französische Philosoph und Nobelpreisträger für Literatur 1927 Henri-Louis Bergson (1859 – 1941)war einer der bedeutendsten Vertreter der Lebensphilosophie. In seiner 1889 entstandenen Schrift 'Essai sur les données immediates de la conscience' / deutsch: 'Zeit und Freiheit' entfaltet er einen neuen Zeitbegriff, indem er zwischen der messbaren und objektivierbaren Zeit (Raumzeit) und der gelebten bzw. der subjektiv erlebten Zeit unterscheidet.
Bergson – temps espace, temps vécu (Aquarell und Acrylfarbe auf Büttenpapier, 40 x 30 cm)
-
Proust – (à) la recherche du temps perdu
Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871 - 1922) veröffentlichte zwischen 1913 und 1927 sein Hauptwerk, den siebenteiliger Roman „À la recherche du temps perdu“ (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit) Besondere Berühmtheit hat der Anfang der Geschichte erlangt, wie beim Eintunken einer Madeleine in den Tee die Erinnerung des Autors an seine Kindheit wach wird.
Proust – (à) la recherche du temps perdu (Aquarell und Acrylfarbe auf Büttenpapier, 40 x 30 cm)
-
Voltaire – l'homme n'est pas né pour le repos / Der Mensch ist nicht für die Ruhe geschaffen
Candide, ou l'Optimisme (1759)
Je sais aussi, dit Candide, qu'il faut cultiver notre jardin. – Vous avez raison, dit Pangloss; car, quand l'homme fut mis dans le jardin d'Éden, il y fut mis ut operaretur eum, pour qu'il travaillât: ce qui prouve que l'homme n'est pas né pour le repos. — Travaillons sans raisonner, dit Martin; c'est le seul moyen de rendre la vie supportable.
(Ich weiß auch, sagt Candide, dass wir unseren Garten bestellen müssen. – Ihr habt Recht, erwidert Pangloss, denn der Mensch wurde in den Garten Eden gesetzt, damit er ihn bebaut: Das beweist, dass der Mensch nicht für dir Ruhe geschaffen ist. – Arbeiten wir ohne nachzudenken, sagt Martin, das ist das einzige Mittel, das Leben erträglich zu machen.)
Voltaire – l'homme n'est pas né pour le repos / Der Mensch ist nicht für die Ruhe geschaffen (Acryl und Aquarell auf Büttenpapier, 45 x 31 cm)
-
zum Seitenanfang
Copyright: Gerschom

Valid HTML 4.01 Transitional

CSS ist valide!