wenn Philosophie Bild wird

Sprache und Erkennen

Das erste philosophische Bildungserlebnis, das mich geprägt hat, hatte ich im ersten Semester, in der Vorlesung Metaphysik von Hermann Krings. Als er zu Parmenides kam, dem griechischen Philosophen, der von ca. 515/510 bis ca. 450 v. Chr. in Elea, Süditalien, lebte, wies er mit Nachdruck darauf hin, dass hier zum ersten Mal in der abendländischen Geschichte ‚sich das Denken selbst einholt‘. Mit anderen Worten: Hier hat einer nicht nur gefragt: Ist richtig, was ich denke? sondern auch: Ist es richtig, wie ich denke? Damit ist eine Aufgabe formuliert, der wir uns täglich unterziehen müssen, wenn wir unsere geistige Freiheit erhalten wollen.
Das zweite war die Lektüre von Rudolf Carnaps (1891-1970) Aufsatz Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache (1931/32), in dem er am Beispiel Martin Heideggers (1889-1976) die Sinnlosigkeit weiter Bereiche des tradierten philosophischen Denkens zu belegen versuchte. Auch wenn ich Carnap so weit nicht folge – es bleibt das Wissen um ein unaufhebbares Dilemma: Mit zunehmender Strenge des Denkens verkleinert sich der Bereich möglicher Aussagen über die Welt bzw. verschiebt sich die Grenze zwischen Philosophie und Kunst.

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In die Stille hinaus – Tractatus logico-philosohicus
In seinem ersten Hauptwerk Tractatus logico-philosophicus, das 1921 erschienen ist, hat der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein versucht, die Philosophie als strenge Wissenschaft zu begründen und damit alle philosophischen Probleme endgültig zu lösen.
Alle nicht streng logischen Sätze sind – als philosophische – unsinnig. Sie verweisen auf „das Mystische“, aber das ist unaussprechlich. Und so lautet der Schluss-Satz des Traktats: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“
In die Stille hinaus – Tractatus logico-philosohicus (Acryl auf Leinwand, 60 x 60 cm)
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Paradigma
Der von Thomas Samuel Kuhn (1922 - 1996) in mehreren Fassungen in die wissenschaftliche Diskussion eingeführte Begriff des „Paradigmas“ ist sehr umstritten. In dieser Diskussion wurde aber zumindest deutlich, dass wissenschaftlicher Fortschritt nicht (nur) ein vernünftiger Prozess, sondern (auch) ein Streit um Deutungshoheiten ist – in der trivialsten Fassung als Kampf um Forschungsgelder.
Paradigma (Acryl auf Leinwand, 100 x 70 cm)
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Die Bilder lügen wie gedruckt – und Tarskis Wahrheitstheorem
Das auf Tarski zurückgehende Wahrheitstheorem wurde von ihm in erkenntnistheoretischer Absicht formuliert – auf dass wir uns nicht in den semantischen Netzen unserer Sprache verfangen.
Ich lese es als moralischen Imperativ, nicht voreilig aus den Bildern und Wörtern, in deren Geflecht wir verstrickt sind, Realität zu konstruieren.
Die Bilder lügen wie gedruckt – und Tarskis Wahrheitstheorem (Öl auf Leinwand, 70 x 50 cm)
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How to Make Our Ideas Clear (Ch.S.Peirce)
„How to Make Our Ideas Clear (Wie unsere Ideen zu klären sind)“ ist der Titel eines 1878 erschienenen Aufsatzes von Charles Sanders Peirce (1839–1914). Der Philosoph war der Begründer des Pragmatismus, einer philosophischen Richtung, die die Verbindung von Theorie und Praxis anstrebte und Erkenntnis in der Gemeinschaft der Diskutierenden verortete. Auf dieser Grundlage sollte dann auf lange Sicht richtige Erkenntnis zu gewinnen sein. In dem Aufsatz führt er aus, dass die traditionelle Philosophie Klarheit und Deutlichkeit der Ideen nur auf der logischen Ebene verortet hat und damit sinnleer bleibt. Klarheit könne nur entstehen, wenn wir unsere Gedanken über die Realität auf die logischerweise aus ihnen resultierenden Handlungen beziehen.
How to Make Our Ideas Clear (Ch.S.Peirce) (Frottage, Pastell und Bunststift auf Zeichenpapier, 42 x 29,7 cm
Auflage: 26 von 100)
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